Musizieren

đŸŽ· đŸŽ» đŸ„ Musizieren – ein Instrument spielenđŸŽș 🎾 đŸŽč

In einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche vielen Angriffen auf ihre Seele ausgesetzt sind, kann ein Instrument auf vielfĂ€ltige Weise stĂŒtzen und wie die Noten auf den Notenlinien durch diese Zeit hindurch tragen:

  • 🔾 Ein Instrument gibt “Re-sonanz”, es gibt eine lebendige Antwort auf unsere TĂ€tigkeit, und kann so in dieser Zeit ein guter Freund und Begleiter sein bzw. werden. Und das Kind/der Jugendliche beschĂ€ftigt sich selbst.
  • 🔾 Der Klang eines Instruments erfĂŒllt die AtmosphĂ€re und verbindet uns (bewusst oder unbewusst) mit der geistigen Welt
  • 🔾 Das Musizieren hilft durch die Auswahl der MusikstĂŒcke, die eigene Stimmung auszudrĂŒcken
  • 🔾 Beim Musizieren kommen wir aus der (staatlich verordneten) Ohnmacht heraus: Wir können kĂŒnstlerisch in das Weltgeschehen ein-“greifen”
  • 🔾 Musizieren erfordert Konzentration. Traumatische Erlebnisse schwĂ€chen die Konzentration, durch das Eintauchen in das Musizieren und die Begeisterung fĂŒr das Entlocken neuer Töne und Tonfolgen gelingt Konzentration auf natĂŒrliche Weise
  • 🔾 Wir wurden durch Corona aus unserem eingespielten Lebensrhythmus geworfen und das Musizieren bietet uns neue Rhythmen an und nimmt uns in den Rhythmus des jeweiligen StĂŒckes mit hinein
  • 🔾 Musizieren macht Freude. Damit das Spielen eines Instruments (ich sage extra nicht “Erlernen”) auch tatsĂ€chlich Freude macht, sollte auf die Auswahl des Instrumentallehrers und die Auswahl des richtigen Instruments ebenso wie auf dessen QualitĂ€t große Sorgfalt gelegt werden

Einige Aspekte zu den verschiedenen Instrumenten:

đŸ”č Blasinstrumente beziehen die Luft und die Atmung mit ein, was in dieser Zeit, in der uns oft der Atem genommen wird, eine besondere Bedeutung hat. Als erstes Instrument eines Kindes bietet sich die Flöte an (6-8 Jahre); an den Waldorfschulen flöten alle Kinder tĂ€glich in den ersten Schuljahren. Rudolf Steiner sagte, im 2.Jahrsiebt (7-14 Jahre) lernen die Kinder das Atmen – Flöten unterstĂŒtzt diesen Prozess.
Mit der Flöte macht ein Kind schnell Fortschritte und kann schnell einfache Liedchen spielen. Man braucht dafĂŒr nicht unbedingt einen Lehrer – auch die Mama kann ihrem Kind das Flöten beibringen (und es bei Bedarf gleich mitlernen).
Wenn man keine schrillen Töne hören möchte, lohnt es sich, etwas mehr Geld in eine Holzflöte zu investieren. Zum gemeinsamen Spielen (z.B. von Mutter und Kind oder mehrere Kinder) eignen sich die Choroi-Schulflöten, da sich ihr weicher Ton zu einem angenehmen Gesamtklang vereinigt.
Kinder bis 7 oder 8 Jahre haben oft viel Freude mit der pentatonischen Choroi-Flöte, da das Spielen durch die Auswahl der Töne immer harmonisch klingt und es keinerlei Unterrichts bedarf.
Kinder ab der 3. Klasse möchten – wenn sie weiter beim Blasinstrument bleiben wollen – dann oft gern Klarinette oder Saxophon spielen.
đŸ”č Das Klavier ist sehr strukturiert und bietet durch die Tasten weniger Gestaltungsspielraum als andere Instrumente. Es hat eine gewisse “Formkraft”, die in dieser Zeit der Unsicherheit Halt schenken, aber auch Erstarrung fördern kann.
đŸ”č Die Geige ist etwas anspruchsvoller, weil jeder Ton nicht eindeutig gegriffen werden kann. Sie bietet dafĂŒr vielfĂ€ltige Ausdrucksmöglichkeiten, auch noch durch den Bogen.
đŸ”č Das Schlagzeug bietet v.a. rhythmische Ausdrucksmöglichkeiten, gleichzeitig fehlt die Melodik
đŸ”č Jugendliche, die mit dem Musizieren erst anfangen, greifen gern zur Gitarre (s.u.). Die Griffe sind recht leicht zu erlernen. Wer gerne singt, kann mit drei Griffen kann schon ein einfaches Lied begleiten, z.B. den leicht zu erlernenden Griffen d – a – g (wobei fĂŒr g oft der noch leichter zu greifende Moll-Akkord e-Moll genommen wird).
Etwas Musiktheorie zu kennen lohnt sich dabei. Bei jeder Tonart kann man mit dem Dreiklang auf dem Grundton (1. Ton), der Subdominante (4. Ton) und der Dominante (5. Ton) fast alle Lieder begleiten: HauptsÀchlich mit dem 1. und 5. Ton und manchmal kommt der 4. Ton dazu. Der entsprechende Moll-Akkord ist eine kleine Terz tiefer

Beispiel:
C-Dur: C (am) – F (dm) – G (em)
G-Dur: G (em) – C (am) – D (hm)
D-Dur: D (hm) – G (em) – A (fism) usw.

Kein Instrument ist “besser” oder “schlechter”! Der Wunsch des Kindes ist entscheidend; oft greifen sie intuitiv zu dem Instrument, das zu ihnen passt. Wenn die Lust nachlĂ€sst, kann das Instrument auch gewechselt werden, dann ist einfach etwas anderes “dran”.
Meine vier Kinder haben je mindestens ein Instrument erlernt und oft habe ich zwei Stunden am Tag (jedes Kind hat tĂ€glich ca. 30 min geĂŒbt) meinen Kindern beim Üben zugehört und mich daran erfreut. Ich bin recht anspruchslos und freue mich einfach, wenn selbst erzeugte Musik erklingt.
Noch ein Tipp: Das Instrument sollte am besten einladend herumstehen (natĂŒrlich in Sicherheit) und nicht nach dem Spielen verstaut werden. Wenn das Klavier z.B. im Wohnzimmer steht, nimmt es dort zwar Platz ein, doch es geht immer wieder jemand hin und fĂ€ngt einfach an zu spielen – und alle können zuhören

Zum Musizieren ein Erfahrungsbericht einer Mutter mit ihrer 6-jÀhrigen Tochter:

„Als im Winter schon wieder der Schwimmkurs ausfallen musste, auch die sonstigen sportlichen AktivitĂ€ten eingeschrĂ€nkt wurden und das Singen im Kindergarten ja schon lange nicht mehr stattfinden durfte, hatten wir die Idee, Jolanda ein Instrument lernen zu lassen, wenn sie das wollte. Und das wollte sie sehr gerne und entschied sich ohne zu Zögern fĂŒr die Blockflöte.
Wir fanden eine liebe und kritische Lehrerin, die weiterhin PrÀsenzunterricht gab und so ging es im Januar los mit dem Unterricht.
ZunĂ€chst spielte Jolanda nicht jeden Tag, vielleicht etwa jeden zweiten. Als sie dann aber zu ihrem Geburtstag im MĂ€rz bereits das nĂ€chste Noten-BĂŒchlein geschenkt bekam, packte sie der Eifer. Seitdem nimmt sie (fast) tĂ€glich mehrmals ihre schöne Flöte in die Hand und spielt ihre Lieder auf und ab. Mittlerweile können wir als Eltern (die wir auch beide 8 Jahre Blockflötenunterricht hatten als Kind) mit ihr zusammen sogar im Kanon oder mehrstimmige Liedchen spielen, zur Abwechslung auch mit Klavierbegleitung.
Es macht uns allen große Freude, dass die Musik wieder so lebhaft in unseren Alltag Einzug gehalten hat. đŸ„°
Auch die kleine Schwester bekommt extra Lieder von Jolanda vorgespielt, wenn sie das möchte.
Es ist so schön zu sehen, welche Freude Jolanda dabei hat, auch ganz alleine neue StĂŒcke vom Blatt zu spielen. Mittlerweile musste ich ihr schon die Griffe mit halbem Daumenloch fĂŒr die hohen Töne beibringen
.
Das war wohl fĂŒr Jolanda (und die ganze Familie) die beste Idee, die wir als Eltern in den letzten Monaten fĂŒr sie hatten!“

Svenja Herget, Homeschooling wagen