Kunst/Musik

Singen

🎶„Wo man singt, lass dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder“ 🎶

Auch häufiges Singen kann uns und unseren Kindern helfen, seelisch gesund durch diese Krise zu kommen!
Es kostet nichts, man muss nichts besorgen, die Stimme haben wir immer dabei – wir brauchen uns nur immer wieder daran zu erinnern. Wir müssen nicht zahlreiche Lieder auswendig können, wir können auch einfach nur auf „na na na“ eine eigene Melodie erfinden und vor uns hinsingen oder alte Lieder, die wir von früher her kennen, singen. Selbst wenn jemand von sich denkt „Ich kann nicht singen“ – darauf kommt es jetzt überhaupt nicht an. 🎵

Was ist so heilsam am Singen und warum ist es gerade in dieser Zeit so wertvoll?

Singen verbessert und harmonisiert die Atmung. Wir spüren, wie wir tiefer atmen und das ist auch physisch gesund, denn tiefes Atmen schützt vor respiratorischen Erkrankungen.
Angst und Schrecken lassen aber auch den Atem stocken und das Singen bringt ihn wieder in einen Fluss. Blockaden lösen sich, Einengendes kann losgelassen werden und Stress und Angst werden abgebaut.

Singen spendet Trost und Singen fördert die Lebensfreude. Antriebssteigernde und stimmungsaufhellende Botenstoffe wie Serotonin, Oxytocin und Beta-Endorphin werden ausgeschieden – Singen ist daher ein wahres Antidepressivum. 😀

Singen stärkt unser Selbstvertrauen und unser Selbstbewusstsein, dadurch, dass wir tief durchatmen und uns mit der eigenen Stimme selbst im Raum ausdrücken. Wir dürfen uns äußern! Wie wichtig ist das in einer Zeit, in der wir oft mit Maske vor dem Mund zum Schweigen verurteilt werden!
Eine kräftige und klare Stimme hinterlässt bei anderen einen positiven Eindruck und vermittelt Kompetenz und Durchsetzungsvermögen. Mit einer warmen, resonanzfähigen Stimme erreichen wir spielerisch viel mehr im Leben und werden als sympathischer, herzlicher und offener wahrgenommen. Das alles schulen wir, indem wir einfach singen.

Wenn ein Mensch singt, wird die ganze Umgebung in Rhythmus, schöne Sprache und Melodie eingetaucht. Wenn wir jemanden singen hören, werden wir sofort froher. Die Schallwellen und die Schwingungen wirken in die Umgebung hinein und verändern sie auf positive Weise. Und die Schwingungen wirken auch in die Atmosphäre und in die geistige Welt. Und ich bin überzeugt: Auch das hat eine Wirkung.

Es wird gerade wenig gesungen in der Welt. Nicht einmal in Kindergärten und den Schulen wird gesungen: „wegen Corona“. Diesen Mangel für unsere Kinder und für die Erde können wir ausgleichen, indem wir häufiger und lauter singen als sonst.

Singen wir also! Singen wir mit unseren Kindern! Und auch wenn wir alleine singen, schwingt das Kind innerlich mit und wird mit in diese schöne Stimmung eingetaucht. Es können jeden Tag dieselben ein oder zwei Lieder sein, das ist egal. Und wir können überall singen: im Auto, beim Spazieren gehen, beim Putzen…

Setzen wir den Bedrängnissen dieser Zeit unsere Stimme und ihre melodischen Schwingungen entgegen!
Ich wünsche euch viel Freude beim Singen!

Musizieren

🎷🎻🥁Musizieren – ein Instrument spielen🎺🎸🎹

In einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche vielen Angriffen auf ihre Seele ausgesetzt sind, kann ein Instrument auf vielfältige Weise stützen und wie die Noten auf den Notenlinien durch diese Zeit hindurch tragen:

🔸Ein Instrument gibt „Re-sonanz“, es gibt eine lebendige Antwort auf unsere Tätigkeit, und kann so in dieser Zeit ein guter Freund und Begleiter sein bzw. werden. Und das Kind/der Jugendliche beschäftigt sich selbst.
🔸Der Klang eines Instruments erfüllt die Atmosphäre und verbindet uns (bewusst oder unbewusst) mit der geistigen Welt
🔸Das Musizieren hilft durch die Auswahl der Musikstücke, die eigene Stimmung auszudrücken
🔸Beim Musizieren kommen wir aus der (staatlich verordneten) Ohnmacht heraus: Wir können künstlerisch in das Weltgeschehen ein-„greifen“
🔸Musizieren erfordert Konzentration. Traumatische Erlebnisse schwächen die Konzentration, durch das Eintauchen in das Musizieren und die Begeisterung für das Entlocken neuer Töne und Tonfolgen gelingt Konzentration auf natürliche Weise
🔸Wir werden seit über einem Jahr aus unserem eingespielten Lebensrhythmus geworfen und das Musizieren bietet uns neue Rhythmen an und nimmt uns in den Rhythmus des jeweiligen Stückes mit hinein
🔸Musizieren macht Freude. Damit das Spielen eines Instruments (ich sage extra nicht „Erlernen“) auch tatsächlich Freude macht, sollte auf die Auswahl des Instrumentallehrers und die Auswahl des richtigen Instruments ebenso wie auf dessen Qualität große Sorgfalt gelegt werden.

Einige Aspekte zu den verschiedenen Instrumenten:

🔹Blasinstrumente beziehen die Luft und die Atmung mit ein, was in dieser Zeit, in der uns oft der Atem genommen wird, eine besondere Bedeutung hat. Als erstes Instrument eines Kindes bietet sich die Flöte an (6-8 Jahre); an den Waldorfschulen flöten alle Kinder täglich in den ersten Schuljahren. Rudolf Steiner sagte, im 2.Jahrsiebt (7-14 Jahre) lernen die Kinder das Atmen – Flöten unterstützt diesen Prozess.
Mit der Flöte macht ein Kind schnell Fortschritte und kann schnell einfache Liedchen spielen. Man braucht dafür nicht unbedingt einen Lehrer – auch die Mama kann ihrem Kind das Flöten beibringen (und es bei Bedarf gleich mitlernen). Wenn man keine schrillen Töne hören möchte, lohnt es sich, etwas mehr Geld in eine Holzflöte zu investieren. Zum gemeinsamen Spielen (z.B. von Mutter und Kind oder mehrere Kinder) eignen sich die Choroi-Schulflöten, da sich ihr weicher Ton zu einem angenehmen Gesamtklang vereinigt.
Kinder bis 7 oder 8 Jahre haben oft viel Freude mit der pentatonischen Choroi-Flöte, da das Spielen durch die Auswahl der Töne immer harmonisch klingt und es keinerlei Unterrichts bedarf.
Kinder ab der 3. Klasse möchten – wenn sie weiter beim Blasinstrument bleiben wollen – dann oft gern Klarinette oder Saxophon spielen.
🔹Das Klavier ist sehr strukturiert und bietet durch die Tasten weniger Gestaltungsspielraum als andere Instrumente. Es hat eine gewisse „Formkraft“, die in dieser Zeit der Unsicherheit Halt schenken, aber auch Erstarrung fördern kann.
🔹Die Geige ist etwas anspruchsvoller, weil jeder Ton nicht eindeutig gegriffen werden kann. Sie bietet dafür vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten, auch noch durch den Bogen.
🔹Jugendliche, die mit dem Musizieren erst anfangen, greifen gern zur Gitarre. Die Griffe sind recht leicht zu erlernen. Wer gerne singt, kann mit drei Griffen kann schon ein einfaches Lied begleiten. Wie viele Menschen bezeichnen die Gitarre als ihren Freund!
🔹Das Schlagzeug bietet v.a. rhythmische Ausdrucksmöglichkeiten, gleichzeitig fehlt die Melodik

Dabei ist kein Instrument „besser“ oder „schlechter“! Der Wunsch des Kindes ist entscheidend; oft greifen sie intuitiv zu dem Instrument, das zu ihnen passt. Wenn die Lust nachlässt, kann das Instrument auch gewechselt werden, dann ist einfach etwas anderes „dran“.

Meine vier Kinder haben je mindestens ein Instrument erlernt und oft habe ich zwei Stunden am Tag (jedes Kind hat täglich ca. 30 min geübt) meinen Kindern beim Üben zugehört und mich daran erfreut. Ich bin recht anspruchslos und freue mich einfach, wenn selbst erzeugte Musik erklingt.
Noch ein Tipp: Das Instrument sollte am besten einladend herumstehen (natürlich in Sicherheit) und nicht nach dem Spielen verstaut werden. Wenn das Klavier z.B. im Wohnzimmer steht, nimmt es dort zwar Platz ein, doch es geht immer wieder jemand hin und fängt einfach an zu spielen – und alle können zuhören.

Beitrag einer Mutter dazu:

„Liebe Svenja,
ganz vielen Dank für deinen langen Text zum Instrumentenspiel!

Dazu möchte ich gern von der Erfahrung mit unserer 6-jährigen Tochter etwas beitragen:
Als im Winter schon wieder der Schwimmkurs ausfallen musste und auch die sonstigen sportlichen Aktivitäten eingeschränkt wurden, das Singen im Kindergarten ja schon lange nicht mehr stattfinden durfte, hatten wir die Idee, Jolanda ein Instrument lernen zu lassen, wenn sie das wollte. Und das wollte sie sehr gerne und entschied sich ohne zu Zögern für die Blockflöte.
Wir fanden eine liebe und kritische Lehrerin, die weiterhin Präsenzunterricht gab und so ging es im Januar los mit dem Unterricht.
Zunächst spielte Jolanda nicht jeden Tag, vielleicht etwa jeden zweiten. Als sie dann aber zu ihrem Geburtstag im März bereits das nächste Noten-Büchlein geschenkt bekam, packte sie der Eifer. Seitdem nimmt sie (fast) täglich mehrmals ihre schöne Flöte in die Hand und spielt ihre Lieder auf und ab. Mittlerweile können wir als Eltern (die wir auch beide 8 Jahre Blockflötenunterricht hatten als Kind) mit ihr zusammen sogar im Kanon oder mehrstimmige Liedchen spielen, zur Abwechslung auch mit Klavierbegleitung.
Es macht uns allen große Freude, dass die Musik wieder so lebhaft in unseren Alltag Einzug gehalten hat. 🥰
Auch die kleine Schwester bekommt extra Lieder von Jolanda vorgespielt, wenn sie das möchte.

Es ist so schön zu sehen, welche Freude Jolanda dabei hat, auch ganz alleine neue Stücke vom Blatt zu spielen. Mittlerweile musste ich ihr schon die Griffe mit halbem Daumenloch für die hohen Töne beibringen….

Das war wohl für Jolanda (und die ganze Familie) die beste Idee, die wir als Eltern in den letzten Monaten für sie hatten! ☺️“

🎸Musizieren: Gitarre spielen

Die Gitarre ist ein tolles Begleitinstrument für Jugendliche. Viele Lieder kann man schon mit drei Akkorden begleiten, z.B. den leicht zu erlernenden Griffen d – a – g (wobei für g oft der noch leichter zu greifende Moll-Akkord e-Moll genommen wird).

Etwas Musiktheorie zu kennen lohnt sich dabei. Bei jeder Tonart kann man mit dem Dreiklang auf dem Grundton (1. Ton), der Subdominante (4. Ton) und der Dominante (5. Ton) fast alle Lieder begleiten: Hauptsächlich mit dem 1. und 5. Ton und manchmal kommt der 4. Ton dazu. Der entsprechende Moll-Akkord ist eine kleine Terz tiefer

Beispiel: 

C-Dur: C (am) – F (dm) – G (em)

G-Dur: G (em) – C (am) – D (hm)

D-Dur: D (hm) – G (em) – A (fism) usw.

Plastizieren

„Man sollte immer ein Stück Ton auf dem Tisch liegen haben“, sagte einmal eine Kunsttherapeutin auf einem anthroposophischen Seminar, an dem ich teilnahm. Ich höre immer wieder von Kindern und Jugendlichen, denen es in dieser Zeit überhaupt nicht gut geht. Manche haben sogar schon eine Art posttraumatischer Symptome wie Zitter- oder Schreianfälle oder Schlafstörungen entwickelt.
Plastizieren – also das gestalterische Arbeiten mit Ton – kann in besonderer Weise helfen, wieder in die Welt ein-greifen und gestalterisch tätig werden zu können und sich gleichzeitig aus-zu-drücken. Diese drei Verben sind im konkreten und übertragenen Sinn zu verstehen. Durch Plastizieren können wir den Eindruck überwinden, ohn-mächtig zu sein und keinen Gestaltungsspielraum mehr zu haben. Es wirkt integrierend auf Körper, Geist und Seele und führt uns zu unserem Mensch-sein zurück. Eine Plastizierarbeit halte ich in dieser Zeit für wertvoller als jedes Arbeitsblatt!

Besonders eignet sich für derartige Plastizier-Arbeiten weißer Ton, wie er auch in den meisten Waldorfschulen verwendet wird. Man kann über einen längeren Zeitraum an einem Stück arbeiten (es muss nur bei Pausen luftdicht z.B. in eine Plastiktüte verpackt werden) und der Ton muss nicht gebrannt werden – wenn das Stück fertig ist, lassen wir es einfach trocknen.
Diesen Ton kann man bei Keramik-Kraft bestellen (www.keramik-kraft.com), man gibt mit der Suchfunktion ein „213 weiß“. Es gibt nur 10kg-Blöcke, die aber nur 8.18 € kosten, hinzu kommen Versandkosten von ca 7 € – es ist also ein sehr erschwingliches Hobby. Man kann den Ton dort auch telefonisch bestellen.

Wenn wir mit einer Plastizier-Arbeit beginnen wollen, nehmen wir uns ein schön großes Stück Ton (lieber mehr als zuwenig), das wir erst einmal ordentlich weichkneten. Den restlichen Ton müssen wir unbedingt in einen luftdicht verschlossenen Eimer oder eine große Tüte packen!
Die Eltern sollten am Anfang mitmachen. Es ist gut, ein Ziel vorzugeben, vorzugsweise ein einfaches Tier wie z.B. einen Vogel oder eine Ente. Wir kneten erst eine Kugel, machen daraus ein Ei und ziehen dann die Extremitäten heraus. Der Anspruch sollte dabei nicht zu hoch sein. Es ist auch schön, nach einer Weile die Arbeit einmal zu verlassen, zurückzutreten und das Ergebnis aus der Ferne zu betrachten. Oft sieht man dann das Erreichte mit ganz anderen Augen.
Sollte der Ton mal zu trocken sein, kann man ihn mit etwas Wasser ansprühen oder in ein feuchtes Tuch einschlagen.
Auf einer glatten Unterfläche klebt das Stück leicht fest. Günstig ist daher, auf einer Pressspanplatte oder einem alten feuchten Tuch zu arbeiten.
Ideen zur Vorgehensweise geben die Videos von Uta Gese im Internet.
Ich wünsche euch und euren Kindern und Jugendlichen viel Freude beim plastischen Gestalten!

Malen

Lasst eure Kinder in dieser Zeit viel malen! Kauft ihnen gute Buntstifte, z.B. die dicken Buntstifte auch in jedem Grundschulalter, weil man mit ihnen flächiger malen kann. Oder mit den Wachsmalkreiden und Wachsmalblöckchen von Stockmar, das lieben die Kinder im Vorschulalter und mind. bis zur 2. Klasse (s. www.waldorfshop.eu).
Besonders das Malen mit Aquarellfarben (Wasserfarben) tut der Seele so gut.
Wenn eure Kinder gern mit Wasserfarben malen und Spaß am Farben mischen haben, könnt ihr ihnen jetzt etwas Gutes tun, wenn ihr ihnen die Aquarellfarben von Stockmar kauft. Ich empfehle das Grundsortiment: Das sind 6 Farben in Fläschchen: zwei verschiedene Gelb, zwei verschiedene Rot und zwei verschiedene Blau, mit denen man alle anderen Farben selbst mischen kann. Um Orange zu mischen nimmt man z.B. das Zinnoberrot, um Lila zu mischen das Karminrot. Ich selbst mische mit Leidenschaft, und während die anderen Teilnehmer meines Malkurses schon mit den vorgegebenen Farben aus ihrem Aquarellkasten ihr halbes Bild fertig gemalt haben, bin ich oft immer noch beim Mischen mit den Farben aus meinen Fläschchen.
Unter www.waldorfshop.eu findet ihr unter „Schulbedarf – Aquarellmalerei“ das „Grundsortiment“ von Stockmar, das zwar nicht billig, aber sehr ergiebig ist, da man die Farben jedes Mal verdünnt. Dann noch von dort den Aquarellpinsel, den Aquarell-Skizzenblock (wunderbares Papier) und eine Mischpalette und das Malglück ist perfekt. Man trennt die Blätter heraus und klebt sie am besten mit Malerkrepp auf ein Malbrett für Aquarellmalerei. Diese hochwertige Grundausstattung ist eine Investition für die Seele und hält (fast) ewig. Wenn man möchte, kann man das Blatt vor dem Malen auf der Vorder- und Rückseite mit einem feuchten Schwamm leicht(!) wässern, dann verlaufen die Farben sehr schön (nicht vergessen, vor dem Malen die entstandenen Luftblasen mit dem Schwamm auszustreichen). Dies nennt man Nass-in-Nass-Technik.
Der Farbeindruck unter www.stockmar.de weckt die Lust zum Malen.
Ein hübsches Büchlein mit Anregungen ist „Mit Kindern malen“ von Freya Jaffke aus dem Verlag Freies Geistesleben.